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Klassifizierung: Chinoline / Quinoline >> Isochinoline Bewegungsapparat >> Muskelrelaxantien >> Periphere Muskelrelaxantien Nervensystem, peripheres (PNS) >> Parasympatholytika >> n-Cholinrezeptor-Antagonisten Synonyme: Amelizol; Tubocurarine; Tubocurarina; Curarin-haf; D-Tubocurarine; Delacurarine; Dextrotubocurarine; EINECS 200-356-9; Intocostrine T; Tubadil; Tubarine Lateinisch: Tubocurarinum Englisch: Tubocurarine Französisch: Tubocurarine Italienisch: Tubocurarina CAS-Nummern: Tubocurarinchlorid = 57-94-3 Tubocurarin = 1370-17-8 Metocurin = 7601-55-0

Eigenschaften

Jahrhundertelang wurde das südamerikanische Pfeilgift Curare benutzt, um wilde Tiere zu erlegen (Starke 2005b). Kurz nach der Entdeckung des Wirkstoffes zeigten verschiedene Botaniker und Forscher Interesse an der Wirkung von Curare; im späten 16. Jahrhundert wurden Proben nach Europa gebracht (Taylor 2001e). Alexander von Humboldt leistete im Jahr 1805 wichtige Beiträge zu Erforschung des Wirkstoffes, und Claude Bernard machte um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris Versuche bezüglich der lähmenden Wirkung von Curare (Starke 2001b; Starke 2005b).
 
Es gibt verschiedene Arten von Curare, die sich durch ihre geographische und botanische Herkunft unterscheiden. In Bambusröhren kam das sogenannte Tubocurare, von Pflanzen der Gattung Chondrodendron, in den Handel; in ausgehöhlten Flaschenkürbissen (Calebassen) das Calebassencurare, von Pflanzen der Gattung Strychnos (Starke 2001b; Starke 2005b). Klinisch wurde Curare ab etwa 1930 in der psychiatrischen Medizin (Taylor 2001e; Löscher 2002a; Martinez 2007a), bei Patienten mit Tetanus und spastischen Erkrankungen, angewendet; ab 1942 auch zur Muskelrelaxierung in der Anästhesiologie (Taylor 2001e; Löscher 2002a). Das Hauptalkaloid im Tubocurare ist das D-Tubocurarin; seine chemische Struktur wurde 1935 beschrieben. Das Hauptalkaloid des Calebassencurare ist hingegen das Toxiferin (C-Toxiferin-I) (Starke 2001b; Starke 2005b), welches ebenfalls medizinisch als nicht-depolarisierender neuromuskulärer Blocker verwendet werden kann (Taylor 2006a). Die Curarealkaloide sind Prototypen der nicht-depolarisierenden Muskelrelaxantien (Starke 2001b; Starke 2005b). Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wird von diesen Alkaloiden ausgehend nach weiteren, kurz wirkenden und nebenwirkungsarmen, nicht-depolarisierenden Substanzen, gesucht (Starke 2001b; Starke 2005b).
 
Aufgrund der chemischen Struktur werden nicht-depolarisierende Muskelrelaxantien wie folgt unterteilt:
 
1.Aminosteroide (Pancuronium, Vecuronium, Rocuronium), die teilweise vagolytisch wirken (Erhardt 2004l).
2.Benzylisochinoline (Atracurium), die keine vagolytischen Eigenschaften haben (Erhardt 2004l).
 
Alle neuromuskulären Blocker besitzen quarternäre Ammoniumgruppen (Martinez 2007a; Hall 2001m), die bei Körpertemperatur positiv geladen sind. Aufgrund dieser Ionisation sind die Verbindungen hoch wasserlöslich und relativ lipidunlöslich (Hall 2001m).
 
L-Tubocurarin ist einiges weniger wirksam als D-Tubocurarin. Obwohl die beiden Entantiomere einen ähnlichen Abstand zwischen den Stickstoffen haben, sind beim D-Isomer alle hydrophilen Gruppen nur auf einer Seite lokalisiert (Taylor 2006a).
 

D-Tubocurarin

D-Tubocurarin ist ein Bis-Benzylisochinolin-Alkaloid (Starke 2005b). Die biologisch aktiven Gruppen von D-Tubocurarin sind zwei vierbindige Stickstoff-Atome, die durch Molekülbrücken von je 10 Atomen starr verbunden und etwa 1,0 nm (10 A) voneinander entfernt sind (Lüllmann 1999a). Die zwei Stickstoffatome des Tubocurarinmoleküls sind bei einem physiologischen pH-Wert geladen (Pugh 1991b).
 
Die Summenformel lautet C37H42Cl2N2O6 und das Molekulargewicht beträgt 681,66. D-Tubocurarin kommt in Form verschiedener Hydrate vor und ist in Ethanol und Methanol lölich und in Pyridin, Chloroform, Benzol, Aceton und Ether unlöslich. Der pKa-Wert liegt bei 7,4 (O'Neil 2001a).
 

D-Tubocurarinchlorid

D-Tubocurarinchlorid (gereinigtes Alkaloid) ist ein geruchloses, wasserlösliches (Pugh 1991b), weiss-gelbliches bis grau-weisses, kristallines Pulver (McEvoy 1992a). 50 mg sind löslich in 1 ml Wasser und 22 mg in 1 ml Alkohol bei 25°C. 3 mg sind ungefähr gleich wirksam wie 20 Einheiten des rohen Curareextraktes. Im Handel erhältliche Lösungen enthalten Benzylalkohol oder Chlorbutanol als Konservierungsmittel und Salzsäure, um den pH-Wert auf 2,5 - 5 einzustellen (McEvoy 1992a).
 

Dimethyltubocurarin (Metocurin)

Ein synthetisches Dimethylether-Derivat von D-Tubocurarin, enthält drei zusätzliche Methylgruppen (Taylor 2001e). Metocurin wurde als Muskelrelaxans während Anästhesien bei Hunden, Katzen, Pferden und Schweinen verwendet (Hall 2001m; Pugh 1991b).
 

Lagerung / Stabilität

Tubocurarinchloridlösungen sind stabil und können über längere Zeit gelagert und auch autoklaviert werden (Lumb 1972a).
© {{ new Date().getFullYear() }} - Institut für Veterinärpharmakologie und ‑toxikologie

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