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Mastitis

Wichtige Hinweise

Bedeutung

Mastitiden sind eine der häufigsten Erkrankungen der Milchrinder. Sie führen zu beträchtlichen ökonomischen Verlusten durch vermehrten Arbeits- und Behandlungsaufwand sowie Milchgeldausfall und vorzeitigen unfreiwilligen Abgängen. Mastitiden sind eine der häufigsten Indikationen für den Einsatz von Antibiotika bei Milchkühen.


Veterinäradministrative Massnahmen

Keine

 
Krankheitsbild / Symptomatik / Risikofaktoren

Erreger

Breites Erregerspektrum mit Dominanz gram-positiver Kokken
 
Tabelle 9: Beispiele häufig vorkommender Erreger von Euterentzündungen

Gruppe Erreger Umwelt- bzw. Kuh-assoziiert Major/Minor Pathogen
Aesculin-positive Streptokokken S. uberis Umwelt Major
Aesculin-negative Streptokokken S. dysgalactiae Umwelt-Kuh Major
Non-aureus-Staphylokokken (NAS) Staph. aureus Kuh Major
Koagulase-negative Staphylokokken Staph. xylosus
Staph. haemolyticus
Staph. chromogenes
u.a.
Umwelt-Kuh Minor
Coliforme Keime E. coli
Klebsiella
spp.
Umwelt Major


Einteilung der Mastitiden

Tabelle 10: Einteilung der Mastitisformen nach Sears and McCarthy, 2003

Befund Subklinische Mastitis Klinische Mastitis
Grad 1
Klinische Mastitis
Grad 2
Klinische Mastitis
Grad 3
Allgemeinzustand Ungestört Ungestört Ungestört Deutlich gestört
Innere
Körpertemperatur
Normal Normal Normal oder ggr. erhöht Deutlich erhöht oder Untertemperatur
Grobsinnliche 
Veränderungen der Milch
Keine Vorhanden Vorhanden Vorhanden
Veränderungen am Euter/Viertel Keine Keine Vorhanden Vorhanden
Zellzahl Gesamtgemelk >100'000 Zellen/ml >100'000 Zellen/ml >100'000 Zellen/ml >100'000 Zellen/ml
Schalmtest (CMT) ++-+++ +++ +++ +++
Illustration
 
Diagnose / Tests

Erregernachweis

  • Kultur
  • Kultur + MALDITOF MS
  • PCR
  • Schnellkultursysteme: MastDecide®, Vetorapid®, Speed-Mam Color®, Triplate®
 
Therapieleitlinien

Siehe AntibioticScout.

 
Impfleitlinien

Impfung

Im Fall von Bestandesproblemen kann eine Massnahmen zur Verbesserung der Eutergesundheit nach entsprechendem Erregernachweis durch die Impfung begleitet werden. Generell kommt bei der Bestandesproblemen der Optimierung von Haltung, Fütterung und Hygienemanagement die entscheidende Rolle zu.

Coliforme Keime

Inaktivierter Kombinationsimpfstoff gegen Staph. aureus und E. coli zugelassen (Startvac® (s. Tab. 11); E.coli Stamm J5 und Staph. aureus mit Expression von SAAC, der als wichtiger Virulenzfaktor zur Anheftung von Staph. aureus an die glanduläre Schleimhaut gewertet wird). Die dabei gebildeten Antikörper (gegen Staph. aureus) richten sich nicht gegen Eiweissbausteine der Zellwand, sondern gegen zuckerartige Zellwandauflagerungen, die für die Schleim- und Biofilmproduktion der Erreger verantwortlich sind (Vermeidung von Biofilmen).
Bei Startvac® besteht Kreuzimmunität zwischen E. coli und Klebsiella spp. 

Vaxxon SRP Klebsiella®  gegen Klebsiella spp. basiert auf der Siderophor-Rezeptor-Porin-Technologie (SRP), bei der Beakterienoberflächenproteine als Antigen für die aktive Immunisierung verwendet werden. Bakterien benötigen Eisen, um zu überleben. Dazu produzieren Bakterien Siderophor-Proteine und setzen sie frei, um das Eisen aus der lokalen Umgebung abzufangen. Diese „Siderophore“ bringen dann das Eisen durch Proteinporen (Porine) zurück in die Bakterien. Diese Poren werden als Siderophor-Rezeptoren oder SRP-Proteine bezeichnet. Ein aus SRP-Proteinen hergestellter Impfstoff erzeugt Antikörper, die die Aufnahme von Eisen in die Bakterienzelle blockieren.

Bei gehäuften, schwer verlaufenden Mastitiden mit Coliformen, können mit der Impfung Tierverluste verhindert werden, da der Schweregrad der Mastitiden durch die Impfung deutlich gesenkt werden kann (Startvac® und Vaxxon SRP Klebsiella®). Die Inzidenz der Mastitiden mit Coliformen kann mit der Impfung alleine kaum beeinflusst werden.

S. aureus

Inaktivierter Kombinationsimpfstoff gegen S. aureus und E. coli zugelassen (Startvac® siehe oben). 

Die Besonderheiten von Staph. aureus Infektionen (u.a. intrazelluläre Lokalisation des Erregers sowie Abkapselung in chronifizierten Entzündungsherden im Gewebe) haben zu der Erkenntnis geführt, dass die Sanierung einer Herde durch schnelle Merzung therapieresistenter bzw. -unwürdiger Rinder sowie peinliche Melkhygiene am effektivsten ist (siehe hierzu auch Leitfaden zur Sanierung von Betrieben mit S. aureus).

Der Schweregrad von Mastitiden kann durch die Impfung positiv beeinflusst werden. Vor dem Hintergrund, dass Staph. aureus meistens subklinische bis milde Mastitiden verursacht, ist diese Indikation für die meisten Staph. aureus Infektionen daher zumindest zweifelhaft, während sie bei Infektionen mit E. coli und Klebsiella spp. mehr als berechtigt ist. 

In britischen und niederländischen wissenschaftlichen Feldstudien konnte gezeigt werden, dass die Inzidenz von neu infizierten Tieren sowie die Dauer der Infektion mit Staph. aureus und None-aureus-Staphylokokken NAS (andere Staphylokokken) reduziert bzw. verkürzt werden konnte. Die Heilung chronisch infizierter Euterviertel darf hingegen nicht erwartet werden.

S. uberis

Ein inaktivierter Impfstoff gegen S. uberis (UBAC; enthält Biofilm Adhesion Components einschliesslich Lipoteichonsäure, produziert von S. uberis) ist zugelassen.

In Studien mit experimenteller S. uberis Infektion entwickelten alle Impf- und Kontrolltiere eine klinische Mastitis. Bei den Impftieren zeigte sich ein moderaterer Verlauf. Belastbare Feldstudien mit höheren Fallzahlen und Kontrollgruppen ohne Impfung (Ausschluss von betriebsindividuellen Massnahmen und Routinen) stehen nach wie vor aus.

Zeitpunkte der Impfung im Verlauf des Laktationszyklus

Grundsätzlich unterscheidet man verschiedene Impfschemata

  • Reproduktionsbezogenes Impfschema (gemäss Zulassung)
    Zweimalige Impfung in der Trockensteh-Phase und einmal in der darauffolgenden Frühlaktation. So wird eine Immunität bis ungefähr zum 130. Lakatationstag erreicht. Dieses Vorgehen bietet sich für Betriebe an, die besonders in der Frühlaktation Probleme mit Mastitiden haben.
  • Fortlaufende Bestandsimpfung: 
    Nach der Grundimmunisierung aller Tiere (trockene und melkende Kühe + Rinder, zweimal im Abstand von 4 Wochen) wird die ganze Herde alle 3 Monate nachgeimpft. Hierdurch wird eine permanente Immunität der gesamten Herde über die Laktation erreicht. In kleineren Herden ist es oft die praktikabelste Lösung.
  • Jahreszeitlich ausgerichtetes Impfschema: 
    Bei einer Häufung von Mastitiden in den Sommermonaten kann die Impfung in den Wintermonaten ausgesetzt und dann wieder im Frühjahr gestartet werden unabhängig davon, ob der Bestand fortlaufend oder reproduktionsbezogen geimpft wird. 


Situation in der Schweiz

Tabelle 11: Zugelassene Impfstoffe und Impfschema gegen Mastitis-Erreger in der Schweiz

Handelsname Antigen Impfstoff-typ Anwendung Vertrieb
Startvac® E. coli (J5)
Staph. aureus (CP8, Stamm SP 140 (SAAC))
inaktiviert 2 ml, i. m.,
1. Injektion 45 Tage vor erwarteter Kalbung,
2. Injektion 30 Tage nach 1. Impfung (mind. 10 Tage vor Kalbung),
3. Injektion 2 Monate nach der 2. Impfung,
Impfung der gesamten Herde und bei jeder Trächtigkeit wiederholen
Dr. E. Graeub AG
UBAC Lipoteichonsäure (LTA) aus Biofilm Adhesion Component (BAC) von Streptococcus uberis, Stamm 5616 inaktiviert 2 ml; tief intramuskulär;
1. Dosis ca. 60 Tage vor dem voraussichtlichen Abkalbedatum;
2. Dosis mindestens 21 Tage vor dem voraussichtlichen Abkalbedatum;
3. Dosis ca. 15 Tage nach dem Kalben. Bei jeder Trächtigkeit wiederholen.
Dr. E. Graeub AG


Tabelle 12: Nicht zugelassene Impfstoffe gegen Klebsiella spp. *)

Handelsname Antigen Impfstoff-typ Anwendung Vertrieb
Vaxxon SRP Klebsiella®
*)
Klebsiella pneumoniae Siderophor Rezeptoren und Porine (SRP) inaktiviert 2 ml, s.c., nach 2-4 Wochen Wiederholungsimpfung.
Rinder sollten ihre erste Dosis 30 Tage nach dem Kalben erhalten. Trockengestellte Kühe vor dem Kalben zweimal impfen. Die Impfung der gesamten Herde kann in jeder Phase der Laktation erfolgen. Die Notwendigkeit einer jährlichen Auffrischungsimpfung wurde für dieses Produkt nicht nachgewiesen; 
Vaxxinova International B.V. (NL) 
  • *) Bewilligung zur Einfuhr von Tierarzneimitteln durch Tierärztinnen und Tierärzte nach Art. 7 - 7e der Tierarzneimittelverordnung (TAM SR 812.212.27) notwendig
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