Eigenschaften

Acetylsalicylsäure wirkt peripher und zentral analgetisch, antipyretisch, sowie antiphlogistisch und hemmt die Thrombozytenaggregation (Plumb 1995a; Ungemach 1994a; Allen 1993a).
 

Wirkungsmechanismus

Der Wirkungsmechanismus von Acetylsalicylsäure besteht im wesentlichen in einer Hemmung des Enzymes Cyclooxygenase durch Acetylierung einer aktiven Gruppe. Diese Hemmung ist in den meisten Körperzellen reversibel, wohingegen die Cyclooxygenase der Thrombozyten irreversibel gehemmt wird (Clopath 1980a; Capurro 1980a; Plumb 1995a; Dunn 1994a; Fox 1991a).
 
Aus dem Wegfall der Thromboxan- und Prostaglandinbildung ergeben sich folgende Konsequenzen:
 
-Die Sensibilisierung von Schmerzrezeptoren für chemische oder mechanische Stimuli durch Prostaglandine (insbesondere PG E2) bleibt aus, womit Acetylsalicylsäure peripher analgetisch wirkt (Moncada 1975a). Zudem wird eine zentrale Hemmung von Prostaglandin-E2 und -D2 an verschiedenen Orten des zentralen Nervensystemes beschrieben, wo diese Substanzen für entzündungsbedingte und entzündungeunabhängige Schmerzen verantwortlich sein sollen (Vane 1998a; Insel 1996a; Ungemach 1994a).
  
-Die antipyretische Wirkung von Acetylsalicylsäure, in geringen Dosierungen, kommt durch den entstehenden Mangel an Prostaglandinen der E-Gruppe zustande, da diese im Hypothalamus als Mediatoren der Fieberentstehung wirken (Vane 1998a; Ungemach 1994a; Insel 1996a; Jurna 1987a). Dabei werden sowohl der Sauerstoffverbrauch, als auch die Stoffwechselrate erhöht, sodass im Bereich toxischer Dosierungen beim Menschen wiederum Fieber erzeugende Effekte beobachtet werden (Insel 1996a).
  
-Eine Thrombozyten-Aggregations-Hemmung wird dadurch erreicht, dass die Produktion von Thromboxan A2 in den Thrombozyten, via Cyclooxygenase, gehemmt wird. Damit sind die Schritte zur Koagulationskaskade unterbunden (Fox 1991a; Deen 1982a). Der Vorgang ist irreversibel und hält bis zur Neubildung unveränderter Thrombozyten an (Insel 1996a; Deen 1982a; Capurro 1980a).
  
-Es kommt mit dem Wegfall zytoprotektiver Prostaglandine zu einer Einschränkung der Schleimhautfunktionen im Magen. Eine Untersuchung zeigt, dass die Cyclooxygenase der Magenschleimhaut nur direkt von Acetylsalicylsäure gehemmt wird, nicht aber von seinem Metaboliten Salicylsäure. Daraus wurde gefolgert, dass die Unterdrückung der Prostaglandin-E2-Bildung im Magen innerhalb der ersten 10 Minuten nach Verabreichung geschehen muss, da der Wirkstoff in dieser Zeit bereits vollständig zu Salicylsäure transformiert wird (Whittle 1985a). Als Folge der unterbrochenen Prostaglandin-E2-Bildung nehmen Schleim- und Bikarbonatsekretion im Magen ab, das Elektrolytgleichgewicht wird gestört, die Zellerneuerung eingeschränkt und der Blutfluss in der Schleimhaut verändert (Wallace 1990a; Jenkins 1991a; Lau 1992a).
 

Weitere Effekte

Neben den Auswirkungen von Acetylsalicylsäure aufgrund der Cyclooxygenasehemmung zeigt der Wirkstoff weitere Eigenschaften:
 
-Die undissoziierte, lipidlösliche Form von Acetylsalicylsäure dringt in die Zellen der Magenschleimhaut ein, vermindert den Zellgehalt an ATP und schädigt deren Integrität. Es kommt zu einem Rückgang der Hydrophobizität der luminalen Oberfläche, sowie zur Desquamation von Oberflächenepithel. Folgend lockert das Gewebe auf, die Magen-Schleimhaut-Barriere ist durchbrochen und es kommt zur Rückdiffusion von Protonen in die Schleimhaut (Jenkins 1991a; Kuo 1976a; Bennett 1977a; Goddard 1987a).
  
-Stabilisierung von lysosomalen Membranen über einen cAMP-Anstieg (Fletcher 1977a; Johnston 1992a).
  
-Verminderung der vaskulären Permeabilität (Fletcher 1977a).
 
-Veränderung chemotaktischer Eigenschaften von Zellen (Johnston 1992a).
 
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