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Warner-Lambert AG

Allgemein-Anästhetikum zur intramuskulären oder intravenösen Injektion

ATCvet-Code: QN01

 

Zusammensetzung

Ketaminhydrochloridum 57,67 mg, Benzethonium chloridum 0,10 mg, Excipiens as solutionem pro 1 ml
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

● Ketamin
 

Zielspezies

Zoo- und Heimtiere
 

Eigenschaften / Wirkungen

Ketavet (Ketamin) ist ein neues, intramuskulär und /oder intravenös injizierbares Anästhetikum mit hypnotischen Eigenschaften und raschem Wirkungseintritt, das nicht aus der Barbiturat-Reihe stammt. Ketamin wird sowohl bei oraler als auch bei parenteraler Verabreichung schnell und vollständig resorbiert.
Die klinische Hauptwirkung von Ketamin besteht in einer schnell eintretenden starken Analgesie der Körperhülle. Die Analgesie geht einer ebenfalls eintretenden, mässig tiefen Hypnose voraus und überdauert dieselbe (dissoziierte Anästhesie). Es ist von Bedeutung, dass die Schutzreflexe (Schluck-, Hustenreflex etc.) erhalten bleiben. Gleiches gilt für die Pansenfunktion, den Kornealreflex und diverse andere Reflexe.
Ketamin ist ein in Endhirn und Zwischenhirn angreifendes Hypnoanalgetikum, das die Hirnrinde (Kortex) und Teile der Sehhügelregion (Thalamus) lähmt sowie den Hirnstamm stimuliert. Es beeinflusst ausserdem das extrapyramidale System. Eine Hemmung der sensiblen Reizleitung im Thalamus verursacht Analgesie, die wichtigste Wirkung von Ketamin. Bemerkenswert ist dabei, dass die Lähmung des Thalamus der Hypnose verursachenden Lähmung des Kortex zeitliich vorausgeht, wodurch klinisch ein Zustand entsteht, der durch starke Analgesie bei wachen Patienten gekennzeichet und für Ketamin typisch ist.
Demzufolge ergibt sich das Bild der Ketavet-Anästhesie. Der Patent befindet sich in einem Zustand eigenartigen Bewusstseinsverlustes, bietet aber nicht die Erscheinung einer gewohnten tiefen Narkose, man könnte ihn bei der bestehenden freien Atmung und den meist offenen Augen auf den ersten Eindruck hin eher für wach als schlafend halten.
 
Wirkungseintritt: nach intramuskulärer Injektion 3-5-6 Minuten, nach intravenöser Injektion innerhalb 30 Sekunden, nach oraler Verabreichung ca. 10 Minuten. Ketavet besitzt eine grosse Sicherheitsbreite.
 
Wirkungsdauer: 20 Minuten und mehr nach intramuskulärer Injektion, 10 Minuten und mehr nach intravenöser Injektion, 15 Minuten und mehr nach oraler Verabreichung.
 
Nachinjektion: Beliebige Verlängerung der Anästhesie durch Nachinjektion möglich. Man gibt 12 bis 11 der Initialdosis.
 

Indikationen

Luxation, Amputation, Ovariektomie, Kastration, Kaiserschnitt, Kieferchirurgie, Zahnextraktion, Zahnreinigung (Fremdkörperentfernung), Abszessspaltung, ophthalmologische Eingriffe (bei denen Reflexe nicht stören), Eingriffe in der Mundhöhle, Eingriffe an Gesicht und Ohr, Wundversorgung, Verbandwechsel, Katzenbäder, Röntgendiagnostik, Untersuchung unruhiger Tiere: Katze, Hund, Labortiere (Maus, Ratte, Meerschweinchen, Kaninchen, Hängebauchschwein), Zootiere (Tiger, Leopard, Löwe, Affe, Mufflon, Damhirsch, Hirsch u.a.).
 

Dosierung / Anwendung

Katze

Intramuskulär: 20-30 mg/kg KGW je nach Schwere und Länge des Eingriffs (= 0,4-0,6 ml pro kg KGW der Konzentration 50 mg/ml = 0,2-0,3 ml pro kg KGW der Konzentration 100 mg/ml)
Kombinationsempfehlung (bessere Muskelrelaxation): in der Mischspritze subkutan 15 mg Ketaminhydrochlorid und 1-2 mg Rompun* pro kg KGW
Oral: 20 mg Ketaminhydrochlorid pro kg KGW
 

Hund

Intramuskulär: 20-30 mg/kg KGW (= 0,4-0,6 ml pro kg KGW der Konzentration 50 mg/ml = 0,2-0,6 ml pro kg KGW der Konzentration 100 mg/ml)
Evt. Prämedikation mit Atropin 0,1-0,5 mg je nach Alter und Gewicht der Patienten. Zur Unterdrückung der manchmal auftretenden Erregungszustände (Heulen) ½ Dosis Surital Parke-Davis nachinjizieren.
Kombinationsempfehlung: in der Mischspritze intramuskulär 8-10 mg Ketaminhydrochlorid und 1-2 mg Rompun* pro kg KGW
Gelegentlich können in der Anflutung Konvulsionen auftreten. Bewährt hat sich in diesen Fällen folgende Kombination: 1 mg Valium** pro kg KGW, 10 Minuten später in der Mischspritze 15 mg Ketaminhydrochlorid und 1 mg Rompun* pro kg KGW.
 

Weisse Maus

Intraperitoneal: 125-200 mg/kg KGW (= 0,3-0,5 ml pro 25 g KGW der Konzentration 10 mg/ml)
 

Ratte

Intraperitoneal: 80-130 mg/kg KGW (= 0,8-1,3 ml pro 100 g KGW der Konzentration 10 mg/ml = 0,16-0,26 ml pro 100 g KGW der Konzentration 50 mg/ml)
 

Meerschweinchen

Intramuskulär: 100-200 mg/kg KGW (= 0,2-0,4 ml pro 100 g KGW der Konzentration 50 mg/ml)
Kombinationsempfehlung: in der Mischspritze intramuskulär 100 mg Ketaminhydrochlorid und 4 mg Rompun* pro kg KGW
 

Kaninchen

Intramuskulär: 75-100 mg/kg KGW (= 1,5-2,0 ml pro kg KGW der Konzentration 50 mg/ml)
Kombinationsempfehlung: in der Mischspritze intramuskulär 15-25 mg Ketaminhydrochlorid und 3-5 mg Rompun* pro kg KGW
 

Wildkatzen (Tiger, Leopard, Löwe)

Intramuskulär: 7-8 mg/kg KGW (= 7-8 ml pro 100 kg der Konzentration 100 mg/ml)
Kombinationsempfehlung: in der Mischspritze intramuskulär 2-4 mg Ketaminhydrochlorid und 1-2 mg Rompun* pro kg KGW
 

Niederaffen

Intramuskulär: 8-10 mg/kg KGW (= 0,8-1,0 ml pro 10 kg KGW der Konzentration 100 mg/ml = 1,6-2,0 ml pro kg 10 KGW der Konzentration 50 mg/ml)
 

Menschenaffen (Gorilla, Orang, Siamang, Gibbon, Schimpanse)

Kombinationsempfehlung: in der Mischspritze intramuskulär 3-5 mg Ketaminhydrochlorid und 0,5-1,0 mg Rompun* pro kg KGW
(Diese Kombination ist auch empfehlenswert bei Niederaffen wie Pavianen, Javaneraffen, Totenkopfäffchen, Makaken etc.)
 
Alle Affenarten: Oral 10-20 mg/kg KGW
 

Pferdearten (Wildpferde)

Kombinationsempfehlung: 1,1 mg Rompun*, intravenös, 3-5 Minuten später 2,2 mg Ketaminhydrochlorid, intravenös, pro kg KGW (leichte Anästhesie: ca. 20 Minuten Dauer)
 

Antilopen, Rehe, Hirsche

Kombinationsempfehlung: in der Mischspritze intramuskulär 2-7 mg Ketaminhydrochlorid und 1-3 mg Rompun* pro kg KGW
 

Greifvögel und Eulen

15-30 mg Ketaminhydrochlorid pro kg KGW
 

Papageien

20 mg Ketaminhydrochlorid pro kg KGW
 

Tauben

20-40 mg Ketaminhydrochlorid pro kg KGW
 

Reptilien

50-100 mg Ketaminhydrochlorid pro kg KGW
 

Anwendungseinschränkungen

Eingriffe an Pharynx, Larynx oder Bronchialbaum, wenn nicht durch Verabfolgung eines Muskelrelaxans für ausreichende Entspannung gesorgt wird (Intubation obligatorisch). Schwere kardiale Dekompensation. Manifester Bluthochdruck und zerebrovaskulärer Insult sowie Leberfunktionsstörungen.
 

Unerwünschte Wirkungen

Geöffnete Augen, Nystagmus (Augenzittern), Mydriasis (Pupillenerweiterung), leichte Tendenz zu erhöhtem Muskeltonus, ggf. Tachykardie und Blutdrucksteigerung, Salivation. Ketavet kann embryotoxisch sein.
 

Ueberdosierung

Die Toleranzbreite von Ketavet ist gross. Die empfohlene Dosierung sollte eingehalten werden. Ueberdosierung kann zu Atemdepression führen; künstliche Beatmung, Thoraxmassage und Sauerstoffdusche sind der Verabreichung von Analeptika vorzuziehen.
 

Wechselwirkungen

Neuroleptika, Tranquilizer und Chloramphenicol verstärken bzw. verbessern und verlängern die Anästhesie. Pestizide und Insektizide können zu einer Induktion mikrosomaler, metabolisierender Enzyme führen, die eine Abschwächung der Ketamin-Wirkung bedingen.
 

Eingeschränkte Ketamin-Wirksamkeit

Durch Pestizide (Insektenvernichtungsmittel - DDT), Herbizide (Unkrautvernichtungsmittel), Umweltgifte (chlorierte Kohlenwasserstoffe - Hexachlorbenzol), aber auch durch Barbiturate mit langer Wirkungsdauer entsteht eine Induktion mikrosomaler metabolisierender Enzyme, wodurch auch der Wirkstoff Ketaminhydrochlorid schneller als gewöhnlich metabolisiert (abgebaut) wird. Katzen nehmen wahrscheinlich derartige Umweltgifte in grösseren Mengen als andere Tiere auf (durch Mäusefang, Belecken des Haarkleides - Putzen). Auch in kurzen Abständen wiederholte Ketamin-Applikationen können einen beschleunigten Abbau induzieren.
 

Erhöhte Ketamin-Wirksamkeit

Diese wird vereinzelt bei jungen Tieren festgestellt (ontogenetische Enzymschwäche). Die volle Stoffwechselleistung (normale Aktivität metabolisierender Enzyme) wird erst mit einem Lebensalter von 2 bis 3 Monaten bei Jungtieren erreicht. Aus diesem Grund wird empfohlen, bei Jungtieren (speziell bei Welpen - Kupieren) von Ketaminhydrochlorid nur 14 bis 12 der normalen Dosis zu applizieren.
 

Sonstige Hinweise

Vorteile

Einfache Anwendung, grosse therapeutische Breite, schnelle anästhetische Wirkung mit vollständiger Analgesie, belanglose depressive Einwirkung auf das Atemzentrum, suffiziente Spontanatmung. Intubation in der Regel unnötig, kaum Aspirationsgefahr, intakte Pharynx- und Larynxreflexe, meist stimulierende Wirkung auf Herz und Kreislauf. Nausea und postoperatives Erbrechen selten.
 

Aufwachphase

Ruhiges Erwachen, sofern das Tier nicht gestört wird (Lärm, lautes Sprechen, brüske Bewegungen vermeiden), längerer Nachschlaf, vollständiges Erwachen nach zwei Stunden, evt. länger.
 

Präoperative Vorbereitung

Mindestens 6 Stunden vor Einleitung der Ketavet-Anästhesie soll - wie bei allen anderen Narkosemitteln - keine Nahrungsaufnahme mehr erfolgen.
Die Verabreichung von Atropin, Scopolamin und anderen sekrethemmenden Substanzen kann in gewohnter Weise durchgeführt werden und ist besonders bei Katzen und Hunden angezeigt. Eine Behandlung mit adrenerg wirkenden Substanzen ist vorher abzusetzen (da Blutdrucksteigerung schon gegeben ist).
 

Besondere Hinweise

Die Augen sind unter Ketamin-Wirkung geöffnet, weshalb bei längerer Wirkungsdauer Vorsorge gegen Austrocknung (Salbe) getroffen werden sollte.
Barbiturate und Ketavet nicht aus der gleichen Spritze injizieren, da sich Präzipitate bilden. Barbiturate und Opiate können bei gleichzeitiger Anwendung von Ketavet die Erholungsphase verlängern.
Bei Hunden kann es während der Aufwachphase gelegentlich zu psychomotorischen Erregungszuständen mit Heulen kommen. Durch sofortige Verabreichung einer halben Dosis Surital Parke-Davis können diese Symptome unterdrückt werden.
Bei der Kombination von Ketavet mit Rompun* bzw. Valium** müssen auch die jeweiligen Packungsbeilagen sorgfältig gelesen werden.
Nicht bei Tieren anwenden, die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen.
Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren.
 
*Warenzeichen der Firma Bayer AG
** Warenzeichen der Firma Hoffmann La-Roche
 

Lagerung und Haltbarkeit

Nicht über 25°C lagern. Lichtschutz erforderlich. Flasche daher stets im Umkarton aufbewahren. Angebrochene Flaschen sollten im Kühlschrank aufbewahrt und der Inhalt alsbald verbraucht werden. Verwendet werden darf nur eine klare, farblose Lösung. Ketavet soll nach Ablauf des Verfalldatums nicht mehr angewendet werden. Verfalldatum siehe Packungsaufdruck.
 

Packungen

1 Injektionsflasche à 10 ml
5 Injektionsflaschen à 10 ml

Exportspezialität: Vertrieb in der Schweiz nicht zugelassen!

Abgabekategorie: B

 

Hersteller

Parke-Davis, Berlin (D)

Swissmedic Nr. 51'913

Informationsstand: 07/1994

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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