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Dr. E. Graeub AG

Synthetisches Prostaglandin

ATCvet-Code: QG03

 

Zusammensetzung

Alfaprostolum 2 mg, Excipiens ad solutionem pro 1 ml
 

Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)

○ Alfaprostol
 

Zielspezies

Rind, Pferd, Schwein
 

Eigenschaften / Wirkungen

GABBROSTIM enthält als Wirkstoff Alfaprostol, ein synthetisches Prostaglandin, welches ähnlich wie das natürliche endogene PGF2alpha wirkt. Die im Rahmen der Sterilitätsbehandlung, Biotechnik und Expulsion des Uterusinhaltes genutzte Wirkung des Prostaglandins F2alpha und seiner Analoge setzt das Vorhandensein eines ansprechbaren Gelbkörpers voraus. Beim Rind greift PGF2alpha wahrscheinlich auch oxytocinähnlich direkt an Uterus und Zervix an. Bei zyklischen Tieren, die mit Alfaprostol behandelt werden, erfolgt die Luteolyse nur in der empfindlichen Phase des Brunstzyklus. Beim Rind sind das die Tage 5 bis 16, beim Schwein die Tage 12 bis 15 des Brunstzyklus und bei Stuten ab dem 5. Tag nach der Ovulation. Nach der Behandlung kommt es innerhalb von 12-24 Stunden zu einem starken Abfall des Plasma-Progesteron-Spiegels mit einer vollständigen Luteolyse nach 24-48 Stunden. Trächtige Tiere abortieren oder gebären in der Folge. Neben der Luteolyse löst Alfaprostol die Freisetzung der Gonadotropine FSH und LH aus der Hypophyse aus, welche die Heranbildung eines Follikels bewirken. Nach intramuskulärer Injektion wird Alfaprosterol rasch resorbiert. Die höchsten Blutspiegel treten je nach Tierart nach 30-90 Minuten auf. Die Ausscheidung erfolgt vorwiegend über die Nieren, aber auch über die Fäzes. In der Milch wird nur wenig Alfaprosterol ausgeschieden.
 

Indikationen

Rind

1. Brunstinduktion bei stiller Brunst (Suböstrus) mit ansprechbarem Corpus luteum und bei Tieren ohne Brunst (Anöstrus) mit Corpus luteum persistens oder Follikel-Lutein-Zyste.
Bei anöstrischen oder suböstrischen Tieren führt die Injektion von Alfaprostol bei Vorhandensein eines ansprechbaren Corpus luteum nach 2-4 Tagen zu einer Brunst mit Ovulation. Eine intensive Brunstbeobachtung sollte ab dem 2. Tag post applicationem erfolgen. Bei Auftreten von Brunstsymptomen ist eine Besamung durchzuführen. Falls es nicht zu einer äusserlich deutlich erkennbaren Brunst kommt, sollen die Tiere nicht blind besamt, sondern vom Tierarzt gynäkologisch untersucht werden. Mehrheitlich liegt auch bei äusserlich undeutlichen Anzeichen eine fertile Brunst vor, so dass nach der Untersuchung gezielt besamt werden kann.
 
2. Zyklusverkürzung
Bei Vorhandensein eines ansprechbaren Corpus luteum kann der Zyklus durch Gabe von Alfaprostol verkürzt werden, beispielsweise nach übersehener Brunst, nicht zeitgerecht durchgeführter oder auf Grund äusserer Umstände verpasster Besamung.
 
3. Brunstsynchronisation
Es sind alle Tiere zweimal im Abstand von 11 Tagen mit Alfaprostol zu behandeln. Tiere, die bei der ersten Behandlung ein ansprechbares Corpus luteum aufweisen (Tage 5-16 des Brunstzyklus), werden bereits danach rindrig. Bei der zweiten Behandlung besitzen sie wiederum ein Corpus luteum und kommen 2-4 Tage nach der zweiten Injektion wieder in Brunst.
Tiere, die bei der ersten Behandlung kein ansprechbares Corpus luteum aufweisen (Tage 0-4 und 17-21 des Brunstzyklus), werden nicht brünstig. Bei der zweiten Behandlung haben sie dann jedoch ein empfindliches Corpus luteum und kommen in Brunst. Somit ist bei allen Tieren 13-15 Tage nach der ersten Behandlung Brunst zu erwarten.
Färsen sind am 2. und 3. Tage, Kühe am 3. und 4. Tag nach der 2. Injektion, also 2mal im Abstand von 24 Stunden, zu besamen.
Sollten die Tiere nach der zweiten GABBROSTIM Injektion nur einmal inseminiert werden, dann müsste dies bei Färsen 60 Stunden und bei Kühen 84 Stunden post injectionem geschehen.
 
4. Pyometra (Endometritis 4. Grades)
Die Wirkung von Alfaprostol beruht auf der Rückbildung des Corpus luteum pseudograviditatis und/oder einer direkten Wirkung auf den Uterus im Sinne einer Entleerung. Selbst bei Tieren mit ausgeprägter Pyometra kann ein bis drei Tage nach der Verabreichung von Alfaprostol ein Ausstossen des Uterusinhaltes beobachtet werden, so dass bei Auftreten der Brunst zwei bis vier Tage post applicationem der Schleim bereits klar ist oder nur noch wenig Eiterflocken enthält. Die Heilungsaussichten können, abgesehen von zusätzlichen Massnahmen, durch Wiederholung der Alfaprostol-Injektion nach 10-12 Tagen erhöht werden. Der Abstand zwischen Prostaglandin-Behandlung und Konzeption kann jedoch Wochen betragen.
 
5. Einleitung eines Abortes
Alfaprostol bewirkt eine Rückbildung des Corpus luteum graviditatis und /oder eine direkte Stimulierung der Uterusmotorik. Beim Rind ist das Corpus luteum etwa bis zum 150. Tag und vom 250. Tag an ansprechbar. Vom 150. bis 250. Tag bleibt die Verabreichung von Prostaglandinen meist ohne Wirkung. In der empfindlichen Phase verabreicht, führt die Gabe von Alfaprostol in der Regel innerhalb von 3-6 Tagen zum Abort.
 
6. Ausstossung von mumifizierten Feten
Auch bei mumifizierten Feten bewirkt Alfaprostol über eine Rückbildung des Corpus luteum graviditatis und/oder eine direkte Wirkung auf die Uterusmotorik innerhalb von 2-4 Tagen eine Unterusentleerung. Die mumifizierte Frucht wird allerdings meist nur bis in die Scheide gepresst, was bei fehlender vaginaler Kontrolle einen Misserfolg vortäuschen kann, und muss manuell aus der Vagina gezogen werden. Gleichzeitig mit der Uterusentleerung kommt es zur Brunst.
 
7. Einleitung der Geburt
Bei verlängerter Trächtigkeit, Muttertier mit Neigung zu verlängerter Trächtigkeit, stockenden Geburtsvorbereitungen, körperlich noch nicht voll entwickelten Rindern, ungünstiger Anatomie des Muttertieres hinsichtlich Geburt, übermässigem Bauchumfang, beim selben Muttertier vorangegangener Schwergeburt, Vatertier mit Disposition zu schwergewichtigen Kälbern und pathologischen Zuständen während der Trächtigkeit empfiehlt sich die Einleitung der Geburt. Prostaglandine führen über eine Rückbildung des Corpus luteum graviditatis und/oder einen direkten Einfluss auf den Uterus im Sinne einer Stimulierung der Motorik innerhalb von 36-48 Stunden post applicationem zu einer Expulsion des Feten. Die Prostaglandin-Behandlung kann zu einem erhöhten Prozentsatz an verzögertem Abgang der Eihäute oder Nachgeburtsverhalten führen.
 

Schwein

1. Geburtseinleitung
GABBROSTIM sollte am 111. oder 112. Tag der Trächtigkeit injiziert werden. Die Geburt tritt dann nach 18-36 Stunden, meist (in 80% der Fälle) nach 20-30 Stunden ein. GABBROSTIM darf nicht vor dem 111. Tag der Trächtigkeit injiziert werden, weil die Milchdrüsen noch keine Milch produzieren.
GABBROSTIM muss tief intramuskulär verabreicht werden, um zu vermeiden, dass es zu einer Interaktion des subkutanen Fettgewebes mit GABBROSTIM kommt. Bei einigen Sauen wurden Tachypnoe und eine leichte Depression des ZNS beobachtet. Diese Symptome bildeten sich rasch und vollständig zurück. Die Geburtseinleitung bringt folgende Vorteile mit sich:
-Geburten während der Nacht, an Wochenenden sowie damit verbundene zusätzliche Belastung des Personals können vermieden werden.
-Verbesserte Überwachung der Tiere vor und während des Partus.
-Die Häufigkeit von MMA (Mastitis-Metritis-Agalaktie-Syndrom) kann gesenkt werden.
-Die zum Partus bestimmte Lokalität kann rationeller geplant werden.
 

Pferd

1. Brunst-Stimulation bei Stuten mit normalem Zyklus
Eine GABBROSTIM-Behandlung während der Phase, in der das Corpus luteum anspricht (d.h. ab Tag 5 nach der Ovulation) führt bei Stuten innert 2-4 Tagen zur Rosse mit Ovulation zwischen Tag 6 und 8 nach der Injektion.
 
2. Brunst-Stimulation post partum
Zur Abkürzung der Interpartus-Zeitspanne werden die Stuten mehr und mehr während der "Fohlen-Rosse" besamt, die normalerweise 10 Tage nach dem Abfohlen auftritt. Während der "Fohlen-Rosse" sind die Konzeptionsraten aber relativ niedrig, weil die Rückbildung des Uterus noch nicht erfolgt oder dieser entzündet ist. Wird die Stute nach tierärztlicher Untersuchung 8-10 Tage nach der "Fohlen-Rosse" oder aber 20-22 Tage nach dem Abfohlen mit GABBROSTIM behandelt, so setzt nach 2-4 Tagen die Rosse mit Ovulation 6-8 Tage nach der Injektion ein.
 
3. Stuten mit Anöstrie
Anöstrie kann durch ein persistierendes Corpus luteum oder - was häufiger der Fall ist - durch eine Unterfunktion der Ovarien verursacht werden. In solchen Situationen führt die GABBROSTIM-Behandlung zur Rosse mit Ovulation. Bei Stuten mit Anöstrie infolge Unterfunktion der Ovarien und/oder der Hypophyse (Plasma-Progesteron-Spiegel unter 1 ng/ml) führt die GABBROSTIM-Behandlung zu einer Freisetzung der endogenen Gonadotropine (LH und FSH) mit Verbesserung der Ovarialfunktion, wobei schrittweise die normale Östrusfunktion wieder einsetzt.
 

Dosierung / Anwendung

Rind1,5 mg Alfaprostol pro 100 kg KGW
entsprechend 0,75 ml GABBROSTIM
pro 100 kg KGW, maximal 8 mg bzw.
4 ml GABBROSTIM pro Tier
Pferd3 mg Alfaprostol entsprechend
1,5 ml GABBROSTIM pro Tier
Schwein2 mg Alfaprostol entsprechend
1 ml GABBROSTIM pro Tier
 
GABBROSTIM soll tief intramuskulär verabreicht werden.
 

Unerwünschte Wirkungen

GABBROSTIM hat eine spezifische und selektive Wirkung auf das Corpus luteum. Es verursacht keine unerwünschten Reaktionen wie z.B. Schwitzen, Salivation, Diarrhoe oder Erregung.
 

Absetzfristen

Essbares Gewebe: 5 Tage, Injektionsstelle: verwerfen, Milch: 3 Tage.
 

Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Gabe von nicht-steroidalen Antiphlogistika kann die Wirkung von Alfaprosterol aufgehoben werden, da diese Präparate die endogene Prostaglandin-Synthese beeinträchtigen.
 

Sonstige Hinweise

Wie bei allen Prostaglandin-Präparaten müssen auch bei GABBROSTIM folgende Vorsichtsmassnahmen beachtet werden:
-Trächtigen Tieren soll GABBROSTIM nicht injiziert werden, ausser wenn ein therapeutischer Abort indiziert ist.
-GABBROSTIM soll nicht mit der Haut in Kontakt kommen. Wenn dies trotz Vorsichtsmassnahmen geschieht, muss die Hautstelle mit reichlich Wasser gereinigt werden.
-Schwangere Frauen und Asthmatiker sollen nicht mit GABBROSTIM umgehen.
 

Lagerung und Haltbarkeit

GABBROSTIM soll nicht über das aufgedruckte Verfalldatum hinaus verwendet werden.
 

Packungen

Durchstechflasche zu 20 ml und 50 ml

Abgabekategorie: A

 

Hersteller

Dr. E. Gräub AG, Bern (CH)

Swissmedic Nr. 45'975

Informationsstand: 07/1993

Dieser Text ist behördlich genehmigt.

 
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