Letale Dosis / Toxische Dosis

LD50 Meerschweinchen i.v.:3.1 mg/kg Körpergewicht Grayanotoxine (Liebenow & Liebenow, 1993).
LD50 Maus i.p.:0.87-1.3 mg/kg Körpergewicht Grayanotoxin I, III und IV (Rose et al., 1988; Puschner, 2004); 1.28 mg/kg Andromedotoxine (Liebenow & Liebenow, 1993).
TD Rind p.o.:10 Rhododendron-Blätter (Lorgue et al., 1987)
TD Rind, Schaf p.o.:0.2-0.6% des Körpergewichts Grayanotoxin-haltige Pflanzen (Puschner, 2004); 0.2% des Körpergewichts Rhododendron, 0.4% des Körpergewichts Kalmia (Jansen et al., 2012).
TD Ziegen p.o.:0.1% des Körpergewichts frische Blätter (Puschner, 2004).
TD Hund p.o.:1-2 Blätter (Lorgue et al., 1987); 7 mg/kg Körpergewicht Grayanotoxin I (Puschner, 2004); 0.3 mg/kg Andromedotoxine (Liebenow & Liebenow, 1993).
 

Klinische Symptome

Die Symptome treten beim Rind in der Regel innerhalb von 6 Stunden auf und dauern 1-2 Tage. Sie beginnen mit Apathie, Atemdepression, starker Salivation, Nausea, heftigem Vomitus oder Regurgitation (z.T. als wässriger Strahl) sowie Abdominalschmerzen. Es besteht eine hohe Aspirationspneumonie-Gefahr. Dann folgen Epiphora (Tränenträufeln), Anorexie, Blähungen, Diarrhoe oder Obstipation, Hyperreflexie, erhöhter Vagotonus, Hypotonie, Bradykardie, Arrhythmie, Tachykardie, Tachypnoe, Fieber, zentrale Krämpfe, Opisthotonus, Seitenlage, Schwäche, Kollaps, Stupor, Koma und Tod. Bei laktierenden Tieren kann Milchversiegen auftreten. Die Todesursache erfolgt meistens infolge einer sekundären Pneumonie oder unkontrollierten Konvulsionen. Vergiftungsfälle kommen bei der Ziege (am empfindlichsten), Schaf, Rind, Elefant, Lama, Wolf, Katze, Hund, Pferd, Esel und Känguru vor; Kaninchen und Hasen sind weniger empfindlich (Frohne & Pfänder, 2004; Gfeller & Messonier, 2004; Kühnert, 1991; Liebenow & Liebenow, 1993; Lorgue et al., 1987; Mayer, 1991; Poppenga & Gwaltney-Brant, 2011; Puschner, 2004; Schaller, 1983; Thiemann, 1991).
 

Diagnose

Die klinisch-pathologischen Parameter sind nur leicht verändert. Infolge der zentralen Krämpfe kann eine Azidose auftreten. Protrahierter Vomitus kann zu Dehydratation und Elektolytimbalanz führen. Zusätzlich können die Leberenzyme (Aspartat-Aminotransferase/AST und Alanin-Aminotransferase/ALT) im Serum erhöht sein (Puschner, 2004). Sekundär zu einem Muskelschaden, können die Kreatinkinase und die Aspartat-Aminotransferase/AST stark erhöht sein (Thiemann, 1991).
 

Fallbeispiel

Dem Tox Info Suisse wurde 1997 der folgende Fall von Ziegen gemeldet: 11 Ziegen zeigten ca. 6 Stunden nach Aufnahme von Blättern Vomitus (mit ganzen Blättern) und Diarrhoe, Krämpfe, Schäumen, Würgen, teilweise Exsikkose, Temperatur 39-39.5°C, rasender Puls, z.T. Herzarrhythmien, leichte Tympanie, Zähneknirschen, ständige Kaubewegungen oder Herumlaufen, Ataxien, z.T. Festliegen, eine Ziege hatte ZNS-Störungen. Von den 11 Ziegen starben zwei direkt an der Vergiftung und eine weitere an einer Aspirationspneumonie. Die Anderen erholten sich innerhalb von 5 Tagen.
 

Therapie

Dekontamination / Symptomatische Therapie (siehe Notfalltherapie)
Atropin, Analgetika, Antibiotika bei Aspirationspneumonie, Lipidinfusion (Bischoff et al., 2014: 1.5 ml/kg Körpergewicht 20% Lipidlösung i.v., in einem Zeitraum von 5 min.).
 

Sektionsbefunde

 
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