Leptospirose
Wichtige Hinweise
Bedeutung
- weltweite Verbreitung mit höchsten Inzidenzen in tropischen und subtropischen Ländern
- im Jahr 2017, 2020 und 2025 jeweils eine Meldung bei Rindern in der Schweiz
Veterinäradministrative Massnahmen
- zu bekämpfende Tierseuche
- Meldepflicht, jedoch gilt Serovar Hardjo als endemisch und ist nicht meldepflichtig
Krankheitsbild / Symptomatik / Risikofaktoren
Erreger
Leptospira interrogans aus der Familie der Spirochäten mit etwa 300 Serovaren
- Serovare Hardjo, Grippotyphosa, Icterohaemorrhagiae und Pomona für Rind von Bedeutung, wobei das Serovar Hardjo als wirtsadaptiertes Serovar beim Rind gilt
- gramnegatives Bakterium
- aerob
- korkenzieherförmig, beweglich durch Endoflagellen
- Überleben in feuchter Erde, Schlamm und stehenden Gewässern bei warmen Temperaturen
- Ansiedelung in den Nierentubuli, was zu persistierender Erregerausscheidung über den Harn führen kann
- Zoonose-Erreger
- Erregerreservoir infektiöser Harn von Nagern (Hauptreservoir) sowie von Haus-, Nutz- und Wildtieren (Nebenreservoire) und über kontaminierte Umwelt
- Feldfieber, Arbeiterkrankheit (z.B. Leptospirose Ausbrüche unter Erdbeerpflückern)
- Zunahme der Erkrankung bei Wassersportlern (z.B. Triathleten)
- Eindringen der Erreger über Hautverletzungen
- Ausbrüche überwiegend bei sommerlichen Temperaturen und nach Regenfällen
Krankheitsbild Rind
- Wirtsadaptiertes Serovar: meist klinisch inapparent, Aborte in der 2. Trächtigkeitshälfte, Geburt lebensschwacher Kälber, repeat breeders
- Nicht wirtsadaptierte Serovare: selten schwere akute Verlaufsform: hohes Fieber, Hämoglobinurie, Ikterus und Anämie (Serovar Icterohaemorrhagiae), septische Verläufe bei Kälbern
- selten Mastitis, bzw. kurzfristiger reversibler Milchrückgang
Diagnose / Tests
- Virusnachweis
- PCR
- Kultur und Mikroskopie (sehr zeitaufwändig), in der Routinediagnostik nicht verfügbar
- Antikörpernachweis
- MAT (Mikroskopischer Agglutinationstest)
Impfleitlinien
Impfung
- Die Immunität ist spezifisch für dieselben oder antigenetisch nah verwandten Serovare
- in Frankreich, Deutschland und weiteren EU-Ländern sind Impfstoffe zugelassen (Leptospira borgpetersenii serovar Hardjo starke serologische Kreuzreaktivität mit Leptospira interrogans serovar Hardjo)
- Impfschutz für (noch) nicht infizierte Tiere
- Impfung bei bereits infizierten Tieren soll die Ausscheidung über den Harn vermindern, reduziert aber scheinbar nicht die Besiedelung der Nierentubuli (die epidemiologische Signifikanz der reduzierten Ausscheidung wurde nicht nachgewiesen)
- Lokalreaktionen sind häufig; besonders nach Wiederholungsimpfung
- Aborte bei Kühen mit bestehende Plazentitis möglich
- Schutz nicht infizierter Tiere vor einer Infektion
- inaktivierte Vakzine
- Rind: 2 ml s. c.
- häufig lokale Reaktionen
- zweimal im Abstand von 4 bis 6 Wochen
- jährliche Wiederholungsimpfung
Situation in der Schweiz
Impfstoffe gegen Leptospirose für Rinder sind in der Schweiz nicht zugelassen. Es existieren zugelassene Impfstoffe in anderen europäischen Ländern und können von dort importiert werden (Bewilligung siehe www.blv.admin.ch/tam-import-de).