Die Ursachen für erhöhte Körpertemperatur, reduzierte Futteraufnahme sowie Milchleistungsrückgang sind besonders zu Beginn der Laktation vielfältig. Die Diagnose ist somit nur durch eine gründliche klinische Untersuchung zu stellen. Eine Untersuchung des Allgemeinbefindens geht der speziellen gynäkologischen Untersuchung voraus. Es schliesst sich eine rektale Untersuchung zur Feststellung von Uterusgrösse, Uterusinhalt (Gas, Flüssigkeit, Nachgeburt), Verklebungen oder Verletzungen des Uterus sowie des weichen Geburtswegs an. Durch die manuelle vaginale oder vaginoskopische Untersuchung sollen Geburtsverletzungen des weichen Geburtsweges bzw. Nachgeburtsverhalten festgestellt und die Lochien beurteilt werden.
| - | Metritis Grad I: Die Kühe zeigen einen vergrösserten Uterus, wässrig-rotbraune bis eitrige Lochien und häufig übelriechenden Lochien. Die Körperinnentemperatur ist ≤ 39.5 °C. Das Allgemeinbefinden ist nicht gestört. |
| - | Metritis Grad II: Die lokalen Befunde sind wie bei Grad I. Das Allgemeinbefinden ist gestört (Milchleistung zurückgehend, Mattheit). Die Körpertemperatur ist > 39.5 °C. |
| - | Metritis Grad III: Die Befunde sind wie bei Grad II. Hinzu kommen Symptome, die auf eine Toxämie schliessen lassen (Inappetenz, erhöhte Herzfrequenz, kühle Körperoberfläche, Apathie). |
Bei Metritiden Grad I besteht keine Therapienotwendigkeit. Sie erfordern aber eine Überwachung durch den Landwirten (Temperatur, Appetit, Milchleistung). Eine antibiotische Behandlung wird bei Metritiden ab Grad II erforderlich.
| - | Lokale Behandlung: Die Erzielung einer ausreichenden Antibiotikum-Konzentration in der Gebärmutterwand bei intrauteriner Verabreichung wird gerade bei grossen Mengen an Lochialsekret angezweifelt. Mit Ausnahme von Tetracyclinen existieren kaum evidenzbasierte Empfehlungen für antibiotische Uteruseinlagen. |
| - | Systemische Behandlung: Die Behandlung erfolgt parenteral über mindestens 3 Tage. Wechsel des Antibiotikums bei ausbleibenden Therapieerfolgs oder Verschlechterung (Grad II nach Grad III) frühestens nach dem 3. Behandlungstag. Antibiotika (lokal und parenteral) müssen aufeinander abgestimmt sein. |
Die Vielfalt der beteiligten Umweltkeime (Gram-positiv und Gram-negativ) erfordern ein Antibiotikum, das ein breites Spektrum abdeckt. Weiterhin soll es zu hohen Wirkstoffspiegeln im Endo-/Myometrium kommen.
| Antibiotikum | Zielorgan Uterus | Bemerkung | Eignung |
| Penicilline | + + + | Resistenz Gram-negative Erreger | + - - |
| Aminopenicilline | + + + | + + + | |
| Cephalosporine | + + + | Kritisches Antibiotikum | + + + |
| Tetracycline | + + | Bei E. coli und T. pyogenes kommen Resistenzen vor | + + |
| Aminoglykoside | + | Keine Wirkung gegen anaerobe Bakt. | - - - |
| Fluorchinolone | + + + | Kritisches Antibiotikum | + + + |
| Puerperale Metritis | ||
| Priorisierung | Antibiotika | Bemerkungen |
| Lokal | ||
| First line* | Tetracycline, Cephalosporine 1. Generation | |
| Parenteral | ||
| First line | Ampicillin | |
| Amoxicillin | ||
| Tetracycline | ||
| Second line | Amoxicillin + Clavulansäure | |
| Stark eingeschränkter Einsatz, nur nach Erregernachweis und Antibiogramm |
Fluorchinolone Cephalosporine (3./4. Generation) |
Kritische Antibiotika: diese sollen grundsätzlich nur wenn keine Alternative mit nicht kritischen Wirkstoffen existiert und nur nach Erregernachweis und Antibiogramm eingesetzt werden |
* Prudent use: Prophylaktische lokale Behandlungen (vaginale Untersuchungen ohne erkennbare Anzeichen einer Metritis mit gleichzeitiger Verabreichung antibiotikahaltiger Einlagen als "Schutzmassnahme") sind abzulehnen. Alternativ kommen in diesem Fall Uteruseinlagen ohne Antibiotika infrage.
Ein Erregernachweis ist nicht sinnvoll, da es sich i. d. R. um ein sehr breites Spektrum von Bakterien aus der Umwelt der Tiere handelt. Untersuchungen zur Resistenzsituation von Bakterien aus dem puerperalen Uterus (bis Tag 21) liegen aktuell nicht vor.
Zeigen mehr als 15 % aller abkalbenden Kühe eine Metritis, handelt es sich um ein Bestandesproblem, dessen Ursache abgeklärt werden sollte.
Das Ziel muss sein, einerseits die Immunabwehr der Milchkuh durch ein optimiertes Management in der Trockenstehphase und in der Frühlaktation zu verbessern, sowie andererseits die peripartale bakterielle Besiedelung der Gebärmutter möglichst gering zu halten:
| - | Geburtshygiene überprüfen (separate Abkalbebox, Hygiene in der Abkalbebox, Hygiene bei Geburtshilfe, Instrumenten und Personen) |
| - | Geburtsmanagement überprüfen (falls Eingreifen notwendig, richtiger Zeitpunkt für Eingreifen in den Geburtsverlauf, richtige Zughilfe) |
| - | Bei Rindern Erstkalbealter und Anpaarungsmanagement überprüfen |
| - | Körperkondition der Galt-Kühe und Rinder bewerten (Überkonditionierung birgt Risiken für Schwergeburten und Lipomobilisation); Fütterung in der Altmelk- und Galtphase sowie bei Rindern allenfalls anpassen |
| - | Mineralstoffversorgung in der Galt-Phase anpassen (besonders bei erhöhtem Vorkommen von festliegenden Kühen um den Abkalbezeitpunkt) |
| - | Spurenelementversorgung allenfalls anpassen (u.a. ausreichende Vitamin E und Selen-Versorgung). |
| - | Hormonelle Einleitung von Abkalbungen vermeiden |
| - | Bei bestehender Nachgeburtsverhaltung sollte nur ein Abnahmeversuch unternommen werden, wenn die Nachgeburt sehr leicht zu lösen ist; keinesfalls die Nachgeburt gewaltsam abnehmen. |
| - | Die antibiotische Therapie wird durch die ein- oder zweimalige Gabe eines NSAID unterstützt. |
| - | Therapie von Begleiterkrankungen (Hypocalcämie, Ketose, Labmagenverlagung) erhöht den Behandlungserfolg. |
| - | Tiere mit toxischer Metritis (Grad III) benötigen unbedingt zusätzliche Flüssigkeitssubstitution per Drench oder Dauertropf. |
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