| - | Mehrere Pflanzen in Nordamerika, Irland, Israel, Australien, China oder Südafrika enthalten besonders hohe Mengen an organisch gebundenem Selen, so dass es in diesen Gebieten zu endemischen Vergiftungen kommen kann. Zu den Pflanzen, die bis 1`500 ppm Selen aufweisen können, gehören folgende Gattungen Acacia (zum Beispiel A. cana), Artemisia (zum Beispiel A. canescens), Aster, Astragalus, Atriplex, Castilleja, Comandra (zum Beispiel C. pallida), Descurainnia (zum Beispiel D. pinnata), Grindelia, Machaeranthera (zum Beispiel M. ramosa), Morinda (zum Beispiel M. reticulata), Neptunia (zum Beispiel N. amplexicaulis), Oonopsis, Penstemon, Sideranthus, Stanleya (zum Beispiel S. pinnata) und Xylorrhiza. Diese Pflanzen bevorzugen zum Teil selenreiche Böden, wobei in industriellen Gebieten der Selengehalt durch Emissionen erhöht sein kann. |
| - | Eine weitere Quelle von Selenvergiftungen sind Mischfehler bei der Herstellung selenhaltiger Zusatzfuttermittel oder Überdosierung von Injektionslösungen zur Prophylaxe des Selenmangels (Weissmuskelkrankheit, Maulbeerherzkrankheit). |
| - | Shampoos, die Selensulfid enthalten, stellen eine mögliche Vergiftungsquelle für Hunde oder Katzen dar. |
| 3.1 | Allgemeinzustand, Verhalten |
| Akute Vergiftung: Anorexie, erhöhte Temperatur, Unruhe, Ataxie, Festliegen und Tod durch Versagen der Atmung; subakute oder chronische Vergiftung: Abmagerung, Apathie, Lecksucht, steifer Gang; die Tiere sondern sich von der Herde ab, wandern herum oder stossen gegen Hindernisse |
| |
| 3.2 | Nervensystem |
| Paresen, Paralyse |
| |
| 3.3 | Oberer Gastrointestinaltrakt |
| Hypersalivation, Zungenlähmung, Zähneknirschen |
| |
| 3.4 | Unterer Gastrointestinaltrakt |
| Durchfall, Kolik |
| |
| 3.5 | Respirationstrakt |
| Tachypnoe, Dyspnoe, blutiger Schaum vor der Nase, Knoblauchgeruch der Atemluft, Tod durch Atemlähmung |
| |
| 3.6 | Herz, Kreislauf |
| Tachykardie, schwacher Puls |
| |
| 3.7 | Bewegungsapparat |
| Steife Gelenke, Lahmheit, Verharren auf den Karpalgelenken infolge der schmerzenden Klauen, an den Klauen Bildung von ringförmigen Spalten entlang oder parallel zum Kronsaum: Klauen wachsen zu unförmigen, rissig-zerklüfteten Schnabelschuhen heran, selten kommt es zum Ausschuhen |
| |
| 3.8 | Augen, Augenlider |
| Sehstörungen |
| |
| 3.9 | Harntrakt |
| Keine Symptome |
| |
| 3.10 | Fell, Haut, Schleimhäute |
| Rauhes Fell, Verlust der Schwanzhaare beim Rind, bei der Ziege Alopezie |
| |
| 3.11 | Blut, Blutbildung |
| Anämie |
| |
| 3.12 | Fruchtbarkeit, Jungtiere, Laktation |
| Mitunter werden Jungtiere von chronisch exponierten Muttertieren mit abnormen Klauen oder Augenmissbildungen geboren, oder sie nehmen mit der Muttermilch soviel Selen auf, dass sie postnatal vergiftet werden; Aborte |
| 8.1 | Eine Schafherde (70 adulte Tiere und 39 Lämmer) wurde prophylaktisch mit Vitamin E und Selen behandelt. Die erwachsenen Schafe erhielten je 250 mg Vitamin E und 25 mg Selen (etwa 0.56 mg/kg Körpergewicht) subkutan, während den Lämmern die geringere Dosis von 100 mg Vitamin E und 10 mg Selen (etwa 0.87 mg/kg) verabreicht wurde. Es konnten nicht alle Schafe behandelt werden, weil das Präparat ausgegangen war. Ungefähr 12 Stunden nach der Behandlung bemerkte der Besitzer, dass sich einige Schafe seltsam verhielten. Sie zeigten Schwäche, Niedergeschlagenheit und erhöhte Atemfrequenz sowie Schaum am Maul. Ein Lamm wurde in eine Klinik eingewiesen und dort genauer untersucht. Es handelte sich dabei um ein 3 Monate altes Tier. Es bewegte sich nur widerstrebend und lag meistens fest. Es zeigte eine verstärkte Atmung und Schaum um die Nasenlöcher und wies Tachykardie auf. Die Körpertemperatur betrug 41.1° C. Das Lamm wurde in einen kühlen, abgedunkelten Raum gebracht und mit Epinephrin behandelt, aber es starb kurze Zeit später. Auf der Farm verendeten innerhalb von 24 Stunden 11 Auen und 21 Lämmer. In den folgenden 5 Tagen starben noch weitere 3 Lämmer und 5 Auen. Zehn Tage nach dem Vorfall verendete das letzte betroffene Schaf. Die überlebenden 14 Auen und 15 Lämmer waren alle nicht behandelt worden (Smith et al., 1999). |
| |
| 8.2 | Eine Selenvergiftung wurde bei neugeborenen, prophylaktisch behandelten Kälbern beobachtet. Kälber, die eine Selendosis von 2 mg/kg Körpergewicht i.m. erhielten wurden anorektisch, matt und lagen 6 Stunden nach der Injektion fest. Sie zeigten zunehmende Dyspnoe und verendeten schliesslich innerhalb von 12 Stunden (McDonald et al., 1981). |
| |
| 8.3 | Eine Herde von Kühen bekam Futter mit einem Selengehalt von 30.2-64.4 ppm. Die betroffenen Tiere zeigten Risse in den Klauen sowie Haarausfall am Schwanz und trockene, rissige Haut am Schwanz, an den Beinen und den Ohren. Der Serumgehalt von Selen bei den betroffenen Tieren betrug ungefähr 1.40 ppm (Mitra et al., 1996). |
| |
| 8.4 | Nach der Verfütterung von Pflanzen, die 45 ppm Selen enthielten, was einer Selenmenge von 0.33 mg/kg und Tag entspricht, gingen Schafe nach 5-6 Tagen ein. Die gleiche Menge in Form des Natriumselenits wurde mehr als 90 Tage lang vertragen (Hapke, 1975). |